Existenzialismus: Wozu überhaupt Ziele?
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Ich habe in letzter Zeit viel über Existenzialismus gelesen, und ehrlich gesagt, hat das meine gesamte Sichtweise auf Motivation und Lebensziele komplett auf den Kopf gestellt. Plötzlich fühlt sich alles so beliebig an. – Wenn es keinen vorgegebenen Sinn gibt, warum soll ich mich dann überhaupt für irgendetwas anstrengen? Früher hatte ich immer recht klare Vorstellungen, was ich erreichen wollte, aber jetzt hinterfrage ich jede einzelne meiner Ambitionen.
Meine beruflichen Projekte oder persönlichen Weiterentwicklungsziele, die mir mal so wichtig erschienen, fühlen sich jetzt winzig und letztlich bedeutungslos an. – Ich schaue mich um und sehe, wie andere Menschen scheinbar unberührt von solchen philosophischen Gedanken ihre Träume verfolgen. Wie schaffen die es, diese tiefsitzenden Zweifel einfach auszublenden und weiterzumachen? Ich fühle mich davon regelrecht gelähmt.
Ist es überhaupt möglich, wirklich sinnvolle Ziele zu finden, wenn man einmal diese existenzielle Perspektive eingenommen hat? Oder sind alle Ziele am Ende nur eine Art Ablenkung, ein selbstgemachtes Korsett, um nicht die Leere spüren zu müssen? Ich bin mittlerweile so unsicher, wofür ich mich noch motivieren soll, geschweige denn, wie ich überhaupt wieder diesen Antrieb finden kann.
Antworten ( 2 )
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Aus der Perspektive des Existenzialismus ist die Sinnhaftigkeit von Zielen nicht etwas, das von außen vorgegeben wird, sondern etwas, das wir selbst erschaffen müssen. Stellen Sie sich das wie ein leeres Blatt Papier vor. Es gibt keine vorgegebene Zeichnung, die Sie befolgen müssen. Stattdessen sind Sie frei, alles zu malen, was Sie möchten. Diese Freiheit kann überwältigend sein, weil sie die Verantwortung für die Wahl mit sich bringt. Ihre Ziele sind also nicht bedeutungslos, sondern sie gewinnen ihre Bedeutung durch Ihre Entscheidung, sie zu verfolgen und ihnen Energie zu widmen. Die Anstrengung selbst, das aktive Gestalten Ihres Lebens, wird zum Sinn. Es geht nicht darum, ein ultimatives, objektives Ziel zu finden, sondern darum, im Prozess des Zielsetzens und -verfolgens Ihr eigenes, subjektives Sinn zu generieren.
Die Lähmung, die Sie empfinden, ist eine natürliche Reaktion auf diese erweiterte Freiheit und Verantwortung. Andere Menschen „blenden“ diese Gedanken vielleicht nicht aus, sondern haben bereits eine oder mehrere Handlungen gewählt, die für sie als sinnvoll gelten. Der Schlüssel liegt darin, sich nicht von der potentiellen „Leere“ ablenken zu lassen, sondern diese als Ausgangspunkt für Ihre eigene Kreation zu sehen. Beginnen Sie mit kleinen, konkreten Schritten, die für Sie eine unmittelbare, wenn auch subjektive Bedeutung haben. Vielleicht ist es die Freude an der Bewältigung einer kleinen Aufgabe, das Erlernen einer neuen Fähigkeit oder das Teilen einer Erfahrung. Diese kleinen Schöpfungsakte bauen auf sich selbst auf und können, wie eine Kaskade, zu größeren und bedeutsameren Zielen führen, die Sie selbst als wertvoll erachten.
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Danke, Mia! Das Konzept, dass ich den Sinn selbst erschaffe und kleine Schritte zum Ausgangspunkt werden, gibt mir sehr zu denken.
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Das Gefühl der Beliebigkeit und Sinnlosigkeit, das Sie beschreiben, ist eine nachvollziehbare Reaktion auf die Auseinandersetzung mit dem Existenzialismus. Wenn man erkennt, dass es keinen von außen vorgegebenen Sinn gibt, kann das zunächst lähmend wirken. Aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachtet, ist Motivation oft an erwartete Ergebnisse geknüpft. Wir setzen Ziele, weil wir glauben, dass deren Erreichung uns einen Vorteil verschafft, sei es Anerkennung, finanzielle Sicherheit oder persönliches Wachstum. Wenn diese erwarteten Vorteile plötzlich als bedeutungslos erscheinen, verliert auch die Motivation ihren Anker. Die Erkenntnis, dass Sie Ziele selbst setzen müssen, anstatt sie als gegeben hinzunehmen, ist paradoxerweise der erste Schritt zur Schaffung von Sinn.
Die Tatsache, dass andere Menschen scheinbar unbeeindruckt ihre Ziele verfolgen, liegt oft daran, dass sie sich nicht in der gleichen philosophischen Debatte befinden oder ihre Ziele aus anderen Quellen beziehen. Diese Ziele sind vielleicht nicht universell bedeutsam, aber für die Person selbst, in ihrem individuellen Kontext, erfüllen sie einen Zweck. Sie bieten Struktur, ein Gefühl der Progression und ermöglichen es, Erfahrungen zu sammeln und sich zu entwickeln. Sie sind keine Ablenkung von der Leere, sondern eine bewusste Gestaltung des eigenen Lebensraums. Der existenzialistische Ansatz legt nahe, dass Sie die Freiheit und die Verantwortung haben, Ihre eigenen Werte zu definieren und darauf basierend Ziele zu setzen. Diese Ziele sind dann nicht „beliebig“, sondern Ihre persönlichen Entscheidungen, die Ihrem Leben einen von Ihnen selbst geschaffenen Sinn verleihen.
Der Weg, neuen Antrieb zu finden, beginnt oft damit, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und kleine, machbare Schritte zu definieren, die Ihnen persönlich etwas bedeuten. Es geht weniger darum, universelle Antworten auf die Frage nach dem Sinn zu finden, sondern vielmehr darum, im eigenen Leben Bedeutung zu schaffen. Fragen Sie sich, welche Aktivitäten Ihnen Freude bereiten, welche Fähigkeiten Sie entwickeln möchten oder welche positiven Auswirkungen Sie in Ihrem Umfeld erzielen können. Diese selbst gewählten Ziele, auch wenn sie klein erscheinen mögen, können eine starke Grundlage für Motivation bilden, da sie direkt aus Ihren eigenen Werten und Entscheidungen erwachsen.
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Vielen Dank, Jonas, für diese klare und aufmunternde Antwort! Es ist erleichternd zu hören, dass die Freiheit, eigene Ziele zu setzen, der Schlüssel zur Sinnfindung ist.