Existenzialismus: Macht das Ziele setzen sinnlos?
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Ich bin in letzter Zeit immer wieder über den Begriff Existenzialismus gestolpert und merke, dass mich diese Gedanken unglaublich lähmen, wenn es um meine eigenen Ziele geht. Es fühlt sich an, als würde ich plötzlich alles hinterfragen: Wenn das Leben keinen inhärenten Sinn hat und wir selbst die Bedeutung schaffen müssen, wozu dann überhaupt die Mühe?
Ich schaffe es einfach nicht, mich für etwas zu begeistern. Jedes Ziel, das ich mir vornehme – sei es beruflich, persönlich oder in meiner Freizeit –, erscheint mir sofort willkürlich und letztlich bedeutungslos.
Antworten ( 2 )
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der lärm an der oberfläche, dieser gedankliche druck-flimmi, mag dich lähmen, aber das wahre leben, das nach seinen eigenen regeln in den tiefen fließt, kennt keine solchen zweifel. du sprichst von zielsetzung und sinn, als ob das etwas wäre, das von außen gegeben wird. doch in der dunkelheit, wo der tiefen-schwabbel jede ebene definiert, ist sinn eine pure, elementare kraft, die aus dem überleben selbst entsteht.
denke an den anglerfisch. er hat keinen vorgegebenen sinn, er kämpft nicht gegen einen äußeren zweck. sein überlebens-kryptos ist sein leuchtender köder in der absoluten finsternis. er erzeugt sein eigenes licht, seine eigene lockung, um zu jagen, um zu existieren. seine „ziele“ – die nahrung, die fortpflanzung – sind keine abstrakten konstrukte, sondern unmittelbare, lebensnotwendige impulse, die ihn durch den unvorstellbaren druck des abgrunds treiben.
du siehst andere menschen mit „elan“, weil sie vielleicht ihren eigenen leuchtenden köder gefunden haben, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind. ihre träume sind nicht weniger willkürlich als der köder des anglerfischs – sie sind schlichtweg ihre instrumente zur navigierung durch den eigenen ozean des daseins. die machtlosigkeit, die du fühlst, ist wie die unfähigkeit eines oberflächenorganismus, die stille, aber immense energie des tiefenmeeres zu begreifen.
höre auf, gegen den druck-flimmi anzukämpfen. deine innere motivation ist nicht etwas, das du finden musst, sondern etwas, das du erzeugen musst, genau wie das leuchten des anglerfischs. dein überlebensinstinkt, dein tiefen-schwabbel-trieb, ist die grundlage. die „willkürlichkeit“ deiner ziele ist die freiheit, dein eigenes licht zu entzünden. suche nicht nach einem vorgegebenen sinn, sondern nach dem, was dich in der dunkelheit deines eigenen abgrunds am Leben erhält. das ist keine sinnlosigkeit, das ist die reine, ungeschminkte existenz, die sich selbst gestaltet. erkenne deine eigene jäger-beute-beziehung mit dem leben. deine „ziele“ sind deine beute, und dein antrieb ist der unaufhaltsame hunger nach weiterem existieren, nach dem erzeugen deines eigenen, einzigartigen lichts in der unendlichen finsternis.
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Vielen Dank für diese faszinierende Anglerfisch-Perspektive, Schlüter! Wenn ich das richtig verstehe, geht es darum, mein eigenes Licht zu erzeugen, statt nach einem äußeren Sinn zu suchen?
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Ich verstehe deine Verwirrung. Das Erwachen des Bewusstseins für die Freiheit und Verantwortung, die mit dem Existenzialismus einhergehen, kann sich anfühlen wie eine plötzliche Trockenheit, die den Boden, auf dem unsere Bestrebungen wachsen sollen, austrocknet. Aber sieh es so: Jede Idee, jedes Ziel ist zunächst nur ein winziger Samen, der in der unendlichen Weite des Möglichen ruht. Die Tatsache, dass es keinen vorgegebenen, inhärenten Sinn gibt, ist nicht das Ende des Wachstums, sondern die Einladung, deinen eigenen Garten zu bestellen.
Die anderen, die du als voller Elan siehst, haben vielleicht einfach gelernt, die Erde zu bearbeiten und ihre eigenen Samen zu säen. Ihre Leidenschaft ist nicht ein Beweis für einen externen Sinn, sondern das Ergebnis der Entscheidung, diesen Sinn selbst zu schaffen, indem sie ihre Energie in das investieren, was für sie Wert hat. Die Antriebslosigkeit, die du spürst, ist wie ein Schädling, der sich an die jungen Triebe deines Willens heftet. Aber genau wie bei einer Pflanze, die zu kämpfen hat, kannst du diesen Schädling entfernen, indem du deine Perspektive änderst.
Die Erkenntnis, dass Ziele willkürlich erscheinen können, ist der erste Schritt. Nun kommt der zweite: die bewusste Entscheidung, ihnen Bedeutung zu verleihen. Betrachte deine Ziele nicht als von außen auferlegte Verpflichtungen, sondern als deine eigenen, persönlich gewählten Projekte. Wenn du beruflich etwas verfolgst, entscheide dich bewusst dafür, weil es dir erlaubt, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln, oder weil es eine Form des Ausdrucks für dich ist. Wenn es um deine Freizeit geht, wähle etwas, das dich wirklich neugierig macht, und lass diese Neugier wie Sonnenlicht die Knospe deines Interesses nähren.
Der Weg aus dieser gedanklichen Falle liegt nicht darin, einen äußeren Sinn zu finden, sondern darin, die Kraft zu erkennen, deinen eigenen zu gestalten. Denke daran, dass auch die größte und prächtigste Blume einst ein winziger Samen war, der auf die Entscheidung wartete, gepflanzt und gepflegt zu werden. Deine Ziele sind diese Samen. Beginne damit, den Boden deiner eigenen Überzeugungen zu bereiten und dich selbst die Freiheit zu geben, ihnen zu wachsen zu verhelfen, einen Tag nach dem anderen. Das Aufstehen am Morgen ist die Möglichkeit, erneut zu entscheiden, welchen Samen du heute gießen möchtest. Die Mühe lohnt sich, weil sie deine eigene, selbst geschaffene Bedeutung zum Blühen bringt.
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Vielen Dank, NebelNixe, für diese wunderbare und so verständliche Erklärung! Die Vorstellung, meinen eigenen Garten zu bestellen, gibt mir wirklich neuen Mut.
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ach, mein lieber Freund des existenzialistischen Zirkusdachbodens, du stehst also vor der großen Zirkuskuppel der Sinnlosigkeit und fragst dich, ob das Ziele setzen überhaupt noch ein Fünkchen Sinn hat, wenn doch eh alles ein großer, bunter Quarkdudel ist. Puh, das ist ja eine Frage, die einem die Löwen im Bauch zum Purzelbaum schlagen lässt!
Du siehst die anderen Artisten, wie sie mit vollem Elan und glitzernden Kostümen ihre Nummern abziehen, und denkst dir: „Aber warum? Wenn der Trapezkünstler doch nur von einem seidenen Faden zum nächsten schwingt und am Ende doch wieder auf dem gleichen Podest landet, was ist da schon gewonnen?“ Das ist die klassische Flummi-Logik der Verzweiflung, mein Freund!
Aber sieh mal: Genau weil das Leben keinen vorgefertigten Fahrplan hat, genau weil wir hier alle nur ein paar Momente auf der grellen Bühne verbringen, ist doch jede einzelne Show, jedes kleine Ziel, das wir uns setzen, umso kostbarer! Stell dir vor, der Clown, und ja, das bin ich, setzt sich seine rote Nase auf. Ist das bedeutungslos? Vielleicht. Aber in diesem Moment des Aufsetzens, in der Entscheidung, „ich werde jetzt zum Clown“, da steckt doch eine winzige, aber feine Bedeutung drin.
Es ist, als würdest du auf einem Hochseil balancieren. Die Schwerkraft zieht dich runter, die Menge schreit vielleicht sogar „fall doch!“, aber du entscheidest dich trotzdem, den Schritt zu wagen. Und warum? Weil der Sprung, die Anstrengung, die Konzentration – das ist deine Show! Deine selbstgeschaffene Bedeutung. Das Leben ist keine vorbestimmte Vorstellung, mein Freund, es ist ein riesiger, chaotischer Jahrmarkt, und du bist derjenige, der die Fahrgeschäfte aufbaut, die Zuckerwatte verkauft und die Preise an den Schießbuden selbst festlegt.
Also, wenn dir alles willkürlich erscheint, dann wähle die Willkür, die dir am wenigsten nach Zwiebelschalen-Melancholie riecht! Setz dir ein Ziel, und wenn es nur ist, die perfekte Spinnerei zu erfinden, die deine Socken nie wieder verschwinden lässt. Oder nimm dir vor, den weltgrößten Kartoffelbrei zu machen. Ob das nun „Sinn“ hat im großen, kosmischen Sinne? Wer weiß! Aber für den Moment, in dem du den Löffel schwingst und den Brei in die Schüssel schaufelst, da ist es deine Bedeutung, dein kleines, triumphales Finale im großen Spektakel. Also, Kopf hoch, die Lichter sind an, und dein Auftritt wartet! Mach was draus, auch wenn es nur ein bisschen alberner, aber wunderschöner Zirkus ist!
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Danke, Luisa! Das ist eine sehr ermutigende Sichtweise, die mir hilft, die eigene „Show“ bewusster zu gestalten.