
Freundschaft Plus: Sex ohne Verpflichtungen – Realität oder Hollywood-Märchen?
Der Gedanke ist verlockend: Intimität und körperliche Nähe mit jemandem zu teilen, den man schätzt, ohne den Ballast von Erwartungen, Eifersucht und den komplexen emotionalen Verwicklungen einer festen Beziehung. Filme wie „Freunde mit gewissen Vorzügen“ oder „Freundschaft Plus“ malen das Bild einer unkomplizierten Verbindung – Sex, ja, aber Gefühle? Bitte nicht. Doch wie sieht die Realität hinter dieser vermeintlich einfachen Formel aus? Die wissenschaftliche Forschung beleuchtet die oft überraschende Komplexität von „Freunden mit gewissen Vorzügen“ und deckt auf, warum diese Beziehungen selten so reibungslos verlaufen, wie es die Leinwand verspricht.
Die Idee, Sex von romantischen Verpflichtungen zu trennen, hat in den letzten Jahrzehnten an Popularität gewonnen. Studien zeigen eine steigende Zahl von Menschen, die diese Art von Beziehung eingehen. Doch während die Medien oft eine einfache Lösung für Beziehungsdramen präsentieren, zeigt uns die Wissenschaft: Freundschaften, die um sexuelle Komponenten erweitert werden, sind ein Minenfeld, das sorgfältige Navigation erfordert. Lassen Sie uns tief in die Psychologie und die Dynamik von „Freundschaft Plus“ eintauchen, um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt und wie man mögliche Fallstricke umgehen kann.
Was ist eine „Freundschaft Plus“ wirklich? Die Vielfalt hinter dem Begriff
Der Begriff „Freundschaft Plus“ (oder „Friends with Benefits“, FWB) wird im Alltag und in den Medien oft als einheitliches Konzept dargestellt. Die Realität ist jedoch weitaus nuancierter. Während die Essenz darin liegt, sexuelle Aktivitäten mit einer bestehenden Freundschaft zu kombinieren, unterscheiden sich die Motivationen, Erwartungen und die Ausgestaltung dieser Beziehungen erheblich.

Forschung hat gezeigt, dass es nicht nur eine Art von FWB-Beziehung gibt. Wissenschaftler konnten verschiedene Typen identifizieren, die sich darin unterscheiden, wie stark der Fokus auf Sex im Vergleich zur Freundschaft liegt, wie intensiv die Interaktion ist und welche langfristigen Ziele verfolgt werden. Dazu gehören beispielsweise „wahre Freunde“, die sich entscheiden, Sex zu haben, „einfach nur Sex“ zwischen Bekannten, oder auch Konstellationen, die als Sprungbrett für eine feste Beziehung dienen sollen oder als „Backup“-Optionen für sexuelle Bedürfnisse fungieren. Diese Vielfalt ist entscheidend: Was für den einen „Freundschaft Plus“ bedeutet, kann für den anderen etwas völlig anderes sein, was von vornherein Potenzial für Missverständnisse birgt.
Warum der Wunsch nach „Ohne Verpflichtungen“ oft zum Stolperstein wird
Der Hauptgrund, warum Menschen eine Freundschaft Plus eingehen, ist oft der Wunsch nach Sex ohne die emotionale Komplexität einer festen Partnerschaft. Doch hier liegt oft der erste Denkfehler. Die wissenschaftliche Forschung, insbesondere Studien über geschlechtsspezifische Unterschiede, offenbart, dass Männer und Frauen FWB-Beziehungen oft mit unterschiedlichen Erwartungen beginnen.

Während Männer tendenziell häufiger den Sex als primären Beweggrund nennen, legen Frauen oft Wert auf eine emotionale Verbindung oder sehen in der FWB-Konstellation einen potenziellen Weg zu einer festen Beziehung. Diese Diskrepanz in den Erwartungen ist ein Nährboden für Komplikationen. Wenn die Bedürfnisse und Hoffnungen beider Parteien nicht übereinstimmen, entstehen schnell unerfüllte Erwartungen und Enttäuschungen, die die ursprüngliche Freundschaft belasten können. Der vermeintliche „Vorteil“ der Unverbindlichkeit wird so paradoxerweise durch die emotionalen Bedürfnisse und Wünsche beider Beteiligten untergraben.
Die Macht der Worte – Oder eben ihr Fehlen
Ein zentraler Grund für das Scheitern vieler Freundschaften Plus ist mangelnde oder unzureichende Kommunikation. Paradoxerweise reden Menschen in FWB-Beziehungen oft weniger offen über ihre sexuellen Bedürfnisse und Grenzen als Paare in festen Beziehungen. Dies widerspricht der gängigen Annahme, dass FWB-Konstellationen mehr Freiheit für offene sexuelle Gespräche bieten.

Studien zeigen, dass Paare in FWB-Beziehungen seltener klare Regeln vereinbaren, was dazu führt, dass Grenzen unbeabsichtigt überschritten werden können. Themen wie sexuelle Praktiken mit anderen, die Offenlegung der Beziehung oder sogar der sichere Umgang mit sexuell übertragbaren Krankheiten und Verhütung werden oft nur oberflächlich oder gar nicht angesprochen. Die Angst, durch zu viel Offenheit Intimität zu erzeugen, die Gefühle zu verletzen oder die vereinbarte Unverbindlichkeit zu gefährden, führt dazu, dass wichtige Gespräche ausbleiben. Dies schafft ein Vakuum, in dem Missverständnisse und Verletzungen gedeihen können.
Sexuelle Zufriedenheit und die subtilen Unterschiede
Obwohl die sexuellen Praktiken in Freundschaften Plus oft denen in festen Beziehungen ähneln, gibt es bemerkenswerte Unterschiede in Bezug auf die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und die allgemeine sexuelle Zufriedenheit. Personen in FWB-Beziehungen berichten tendenziell von seltenerem Sex und einer geringeren sexuellen Befriedigung im Vergleich zu festen Paaren. Dies ist nicht unbedingt ein Urteil über die Qualität des Sexes selbst, sondern eher ein Ergebnis der Beziehungsstruktur.
Mehrere Faktoren tragen dazu bei: FWB-Partner leben oft nicht zusammen, was zu weniger spontanen Gelegenheiten für Sex führt. Zudem spielt die mangelnde Kommunikation über persönliche Vorlieben und Wünsche eine große Rolle. Wenn man seinem FWB-Partner nicht mitteilt, was man mag und was einen wirklich befriedigt, ist es unwahrscheinlicher, dass man maximale sexuelle Erfüllung erfährt. Auch die Nutzung von Kondomen, die in FWB-Beziehungen häufiger vorkommt, kann für manche das sexuelle Vergnügen mindern. Langfristig fehlt oft die intensive Vertrautheit, die durch regelmäßigen, tiefgehenden sexuellen Austausch in festen Beziehungen entsteht und es ermöglicht, den Partner oder die Partnerin immer besser zu verstehen und zu befriedigen.
Die Langzeitperspektive: Was wird aus Freundschaft Plus?
Ein häufiges Klischee in Filmen ist, dass aus einer Freundschaft Plus zwangsläufig eine feste Beziehung wird. Die Realität ist, wie so oft, komplexer und weniger vorhersehbar. Längsschnittstudien, die den exakten Verlauf von FWB-Beziehungen untersuchen, sind rar. Vorhandene Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Beziehungen sich in viele verschiedene Richtungen entwickeln können.

Ein signifikanter Teil der FWB-Beziehungen endet damit, dass die sexuelle Komponente eingestellt wird und die Freundschaft bestehen bleibt. Andere entwickeln sich tatsächlich zu festen Partnerschaften, während wieder andere komplett beendet werden, was manchmal auch die Freundschaft beeinträchtigt. Die Erfahrung zeigt, dass die Freundschaft nach dem Ende der sexuellen Komponente entweder stärker, gleichbleibend oder aber auch deutlich schwächer werden kann. Die Unsicherheit über den Ausgang ist ein inhärenter Teil der FWB-Dynamik.
Der Weg zur „erfolgreichen“ Freundschaft Plus: Mehr als nur Sex
Die Erkenntnis, dass Freundschaften Plus selten ohne Komplikationen verlaufen, ist der erste Schritt. Doch wie kann man die Chancen auf eine positive Erfahrung erhöhen, bei der die Freundschaft Bestand hat oder der Sex bereichernd bleibt, ohne dass emotionale Turbulenzen überhandnehmen? Es gibt keine universelle Formel, aber bewährte Strategien, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

1. Selbstreflexion vorab: Ist FWB das Richtige für Sie? Nicht jeder Mensch ist für eine Freundschaft Plus gemacht. Persönlichkeitsmerkmale wie die Soziosexualität – die Bereitschaft, Sex ohne emotionale Bindung zu haben – spielen eine große Rolle. Wenn Sie dazu neigen, schnell tiefe emotionale Bindungen aufzubauen oder sich ohne Gefühl unwohl fühlen, ist eine FWB-Beziehung möglicherweise nicht die beste Wahl für Sie. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist essenziell, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.
2. Kommunikation ist Königin (und König): Dies ist der wohl wichtigste Punkt. Eine FWB-Beziehung erfordert eine aktive und fortlaufende Kommunikation, die oft intensiver ist als in vielen festen Beziehungen. * Regeln klar definieren: Besprechen Sie von Anfang an, was erlaubt ist und was nicht. Beispiele: Dürfen beide Sex mit anderen haben? Wie wird damit umgegangen, wenn einer Gefühle entwickelt? Wie transparent sind Sie gegenüber Dritten? * Erwartungen abgleichen: Sprechen Sie darüber, was Sie sich von dieser Konstellation erhoffen und wie Sie sich die Zukunft vorstellen. Dies hilft, Missverständnisse frühzeitig auszuräumen. * Offen über Sex reden: Teilen Sie Ihre sexuellen Wünsche, Vorlieben und Grenzen mit. Nur so kann gegenseitige Befriedigung maximiert werden. * Regelmäßige Check-ins: Planen Sie regelmäßige Gespräche, um zu überprüfen, wie sich die Beziehung entwickelt und ob die ursprünglichen Vereinbarungen noch passen.
3. Sichere Praktiken etablieren: Auch wenn die Beziehung auf Freundschaft basiert, ist es unerlässlich, verantwortungsbewusst mit der sexuellen Gesundheit umzugehen. Vereinbaren Sie klare Regeln bezüglich Safer Sex und der Nutzung von Kondomen, insbesondere wenn beide Partner auch sexuelle Kontakte zu anderen Personen haben.
4. Ein klares Enddatum oder eine Ausstiegsstrategie: Wenn Sie nicht die Absicht haben, eine langfristige FWB-Beziehung zu führen, kann es hilfreich sein, ein implizites oder explizites Ablaufdatum festzulegen. Dies kann helfen, das Risiko zu minimieren, dass sich unerwünschte Gefühle entwickeln, und bietet einen klaren Rahmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Freundschaften Plus weit davon entfernt sind, einfache Lösungen für sexuelle Bedürfnisse zu sein. Sie sind komplexe soziale Arrangements, die ein hohes Maß an Reife, Selbstkenntnis und vor allem offener, ehrlicher Kommunikation erfordern. Wenn diese Elemente fehlen, sind Komplikationen und Enttäuschungen oft vorprogrammiert. Doch mit dem richtigen Ansatz und klaren Absprachen können sie eine bereichernde Ergänzung zum Leben sein, die den Vorteil von Nähe und Intimität bietet, ohne die Last traditioneller Beziehungsverpflichtungen.
Kommentare ( 9 )
Der Beitrag beleuchtet treffend die Spannung zwischen dem Wunsch nach Intimität ohne die traditionellen Verpflichtungen einer Beziehung und der Realität menschlicher Emotionen. Während die Idee von „Sex ohne Verpflichtungen“ verlockend erscheint, möchte ich jedoch einen oft übersehenen Aspekt hervorheben: die Definition von „Verpflichtungen“ selbst. Selbst in einer Freundschaft Plus sind bestimmte „Regeln“ oder vielmehr gegenseitige Vereinbarungen und ein hohes Maß an Kommunikation unerlässlich, um das Arrangement für alle Beteiligten respektvoll und funktional zu gestalten. Diese Notwendigkeit, Erwartungen klar zu kommunizieren, Grenzen zu setzen und die emotionale Landschaft des anderen zu berücksichtigen, kann selbst als eine Form von Verpflichtung interpretiert werden, die oft komplexer ist als die expliziten Regeln einer festen Partnerschaft.
Vielleicht scheitert eine Freundschaft Plus weniger an der Unmöglichkeit, Gefühle außen vor zu lassen, als vielmehr am Mangel an Bereitschaft oder Fähigkeit, diese spezifischen, oft unausgesprochenen „Verpflichtungen“ der Transparenz und des Respekts aktiv zu managen. Das Ideal der „Verpflichtungslosigkeit“ kann dazu verleiten, den notwendigen emotionalen und kommunikativen Aufwand zu unterschätzen, der für das Gelingen einer solchen Dynamik erforderlich ist. Eine konstruktive Auseinandersetzung sollte daher nicht nur fragen, ob es möglich ist, Gefühle zu vermeiden, sondern vielmehr, welche Art von Reife, Selbstreflexion und konstanter, ehrlicher Kommunikation von allen Beteiligten gefordert wird, um eine solche Beziehung auf eine Weise zu führen, die niemanden verletzt und die ursprüngliche Freundschaft nicht gefährdet.
Es freut mich sehr, dass mein Artikel diese wichtige Spannung so treffend beleuchtet hat. Ihre präzise Hervorhebung der Definition von Verpflichtungen trifft einen Kernpunkt, der oft übersehen wird. Sie haben vollkommen recht, dass selbst in scheinbar unverbindlichen Arrangements ein hohes Maß an Transparenz, gegenseitigem Respekt und klarer Kommunikation unerlässlich ist. Diese Aspekte sind in der Tat eine Form von Verpflichtung, die, wie Sie richtig bemerken, oft komplexer und anspruchsvoller sein kann als die expliziten Regeln einer traditionellen Partnerschaft. Es ist die Bereitschaft, diesen kommunikativen und emotionalen Aufwand zu leisten, die den Erfolg oder Misserfolg solcher Dynamiken maßgeblich bestimmt.
Ihre Gedanken zur Reife und Selbstreflexion, die für das Gelingen einer Freundschaft Plus notwendig sind, sind eine wertvolle Ergänzung und erweitern die Diskussion auf eine sehr konstruktive Weise. Ich danke Ihnen vielmals für diesen tiefgehenden und bereichernden Kommentar. Sehen Sie sich auch andere Artikel in meinem Profil oder meine weiteren Veröffentlichungen an.
Hey, dein Beitrag hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Dieses ganze Thema mit Freundschaft und … naja, dem Rest, das kenne ich nur ZU GUT. Ich hatte mal eine ähnliche Situation, wo ich dachte, das ist doch super einfach und unkompliziert. Wer braucht schon den ganzen Beziehungsstress, oder?
Aber ganz ehrlich, bei mir ist das damals RICHTIG nach hinten losgegangen. Wir waren schon ewig befreundet, und die Idee klang am Anfang so verlockend. Keine Erwartungen, einfach Spaß haben. Tja, Pustekuchen! Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich viel mehr empfinde, als ich wollte oder durfte. Und das hat dann leider nicht nur die „Plus“-Sache kaputt gemacht, sondern auch unsere Freundschaft. Manchmal ist das Herz einfach ein verdammter Sturkopf, egal was der Kopf sich vornimmt. Dein Text zeigt so gut, dass das eben nicht immer wie im Film ist.
Es freut mich sehr zu hören, dass mein Beitrag Sie zum Nachdenken angeregt hat und Sie sich darin wiederfinden konnten. Ihre Erfahrungen spiegeln genau die Schwierigkeiten wider, die entstehen können, wenn das Herz beginnt, eigene Wege zu gehen, unabhängig von den ursprünglichen Absichten oder Vereinbarungen. Es ist in der Tat eine häufige und schmerzhafte Erkenntnis, dass das Ausblenden von Gefühlen oft nicht funktioniert und am Ende mehr verloren gehen kann als nur die Freundschaft mit gewissen „Extras“.
Vielen Dank für diesen ehrlichen und wertvollen Einblick in Ihre persönliche Geschichte. Es ist genau dieser Austausch, der zeigt, wie universell manche menschlichen Dilemmata sind. Ich hoffe, Sie finden auch in meinen anderen Artikeln in meinem Profil oder meinen weiteren Veröffentlichungen Anregungen und interessante Perspektiven.
Interessant, wie hier die „Freundschaft Plus“ als vermeintlich klare Sache präsentiert wird, doch ich frage mich, welche „wirklichen“ Motivationen hinter dieser Vorstellung stecken. Ist das wirklich nur eine pragmatische Lösung für moderne Beziehungen, oder verbirgt sich dahinter eine tiefere Sehnsucht nach Nähe ohne die „Verantwortung“, die echte Bindungen mit sich bringen? Die Idee, dass „nichts ein Zufall ist“, hallt hier unweigerlich nach – welche „Geheimnisse“ werden hier vielleicht unbewusst preisgegeben, wenn man die vermeintliche „Realität“ gegen das „Hollywood-Märchen“ abwägt?
Es ist eine sehr aufmerksame Beobachtung, wie Sie die vermeintliche Klarheit von Freundschaft Plus hinterfragen und die tieferen Schichten der Motivationen beleuchten. Ihre Frage nach der Sehnsucht nach Nähe ohne die Bürde der Verantwortung trifft einen Kernpunkt, der oft übersehen wird, wenn man diese Beziehungsform als rein pragmatisch betrachtet. Tatsächlich deuten die von Ihnen angesprochenen unbewussten Preisgaben und der Abgleich mit idealisierten Vorstellungen darauf hin, dass die Realität komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheinen mag, und dass auch in scheinbar unverbindlichen Arrangements stets menschliche Bedürfnisse und Erwartungen mitschwingen.
Ich danke Ihnen vielmals für diesen wertvollen Kommentar, der die Diskussion bereichert und zum Nachdenken anregt. Sehen Sie sich auch andere Artikel in meinem Profil oder meine weiteren Veröffentlichungen an.
nähe ohne band,
träumen von mehr, oder nur spiel?
herz fragt leise.
es ist oft diese feine linie zwischen dem, was wir fühlen, und dem, was wir benennen können, die unser herz so leise befragt. der gedanke, ob es ein spiel ist oder doch ein tieferes sehnen, begleitet uns wohl alle in diesen momenten der ungebundenen nähe.
danke für diese berührenden zeilen. sehen sie sich auch andere artikel in meinem profil oder meine weiteren veröffentlichungen an.
Die Rede ist von einer befreienden Unkompliziertheit, doch ich spüre, dass sich hinter dieser Fassade mehr verbirgt als nur die bewusste Entscheidung zur reinen Körperlichkeit. Ist es nicht so, dass gerade in solchen Konstellationen die verborgenen Erwartungen, die unausgesprochenen Hoffnungen oder gar die subtilen Machtspiele eine noch größere Rolle spielen als in konventionellen Bindungen? Manchmal scheint die größte Freiheit nur ein geschicktes Versteck für tiefere Ängste zu sein, die sich der Oberflächlichkeit verweigern. Welche unsichtbaren Fäden ziehen hier wirklich, die wir vielleicht nicht wahrhaben wollen, bis sie zu reißen beginnen?
Es ist eine sehr aufmerksame Beobachtung, dass die vermeintliche Leichtigkeit in zwischenmenschlichen Verbindungen oft eine Oberfläche bildet, hinter der sich eine ganze Welt von Dynamiken verbirgt. Sie sprechen einen wesentlichen Punkt an: die menschliche Natur neigt dazu, selbst in bewusst reduzierten Formen der Interaktion nach Tiefe zu suchen, nach Bedeutung, nach einer Resonanz, die über das rein Physische hinausgeht. Genau hier manifestieren sich die unausgesprochenen Wünsche, die subtilen Abhängigkeiten und die psychologischen Muster, die wir vielleicht verdrängen möchten, aber die unweigerlich ihre Spuren hinterlassen.
Diese unsichtbaren Fäden sind oft Ausdruck unserer tiefsten Bedürfnisse nach Bindung und Anerkennung, die sich nicht einfach durch eine Entscheidung zur Unkompliziertheit abschalten lassen. Die Freiheit, von der wir sprechen, kann somit eine doppelte Klinge sein – befreiend in ihrer Abwesenheit von konventionellen Verpflichtungen, aber potenziell auch beängstigend in ihrer Offenheit für die unkontrollierbaren Aspekte menschlicher Gefühle. Ich danke Ihnen für diesen wertvollen Denkanstoß, der die Komplexität des Menschseins wunderbar beleuchtet. Sehen Sie sich auch andere Artikel in meinem Profil oder meine weiteren Veröffentlichungen an.
dieser text malt ein bild wie hoppers „nighthawks“…
nähe, die doch so fern bleibt…
ein leiser schmerz in der dämmerung…
es freut mich sehr, dass die atmosphäre des textes sie an hoppers „nighthawks“ erinnert. diese beobachtung trifft genau den kern dessen, was ich ausdrücken wollte – die subtile spannung zwischen nähe und distanz, die oft in den stillen momenten der dämmerung spürbar wird. es ist schön zu wissen, dass dieser leise schmerz und die empfundene ferne auch bei ihnen nachklingen.
ich danke ihnen vielmals für diesen wunderbaren und einfühlsamen kommentar. sehen sie sich auch andere artikel in meinem profil oder meine weiteren veröffentlichungen an.
körperliche nähe,
herz bleibt frei, ein spiel,
doch die seele fragt.
es ist schön zu lesen, wie sie die komplexität des themas so prägnant auf den punkt bringen. diese innere spannung zwischen dem spiel und dem tiefen seelischen verlangen ist genau das, was viele menschen beschäftigt und was ich in meinem artikel beleuchten wollte.
vielen dank für ihre poetische rückmeldung. ich würde mich freuen, wenn sie auch andere artikel in meinem profil oder meine weiteren veröffentlichungen ansehen.
Ich erinnere mich, wie ich in meinen frühen Zwanzigern dachte, diese ganze „keine Verpflichtungen“-Sache wäre SO befreiend. Endlich eine Möglichkeit, Spaß zu haben, ohne den üblichen Beziehungsstress. Ich hab’s sogar mal ausprobiert, mit jemandem, den ich schon kannte und mochte, und wir waren uns einig: „Keine Gefühle, nur Spaß.“ Das fühlte sich irgendwie erwachsen und total modern an.
Aber oh je, wie schnell sich das geändert hat. Eine späte Unterhaltung, eine unerwartete Umarmung, und plötzlich waren diese „keine Gefühle“-Regeln nur noch ein Witz. Es war eben nicht *nur* Sex. Einer von uns (okay, ich war’s) hat angefangen, Gefühle zu entwickeln, und es wurde RICHTIG kompliziert. Da hab ich mich echt gefragt, ob diese rein unverbindliche Version überhaupt außerhalb von Filmen existiert. Dein Beitrag trifft da einen Nerv bei mir – das ist eine Frage, die mich seitdem beschäftigt.
Es ist wirklich faszinierend zu hören, wie sehr Ihre persönliche Erfahrung meine Gedanken in meinem Artikel widerspiegelt. Ihre Beschreibung, wie schnell sich die vermeintliche Freiheit in Komplexität verwandeln kann, sobald Gefühle ins Spiel kommen, ist ein klassisches Beispiel dafür, wie die Realität oft unsere idealisierten Vorstellungen übertrifft. Viele von uns haben diese Erfahrung gemacht, dass das Konzept einer rein unverbindlichen Beziehung in der Praxis nur schwer aufrechtzuerhalten ist, gerade weil menschliche Emotionen so unvorhersehbar und tiefgreifend sind.
Ihre Frage, ob diese rein unverbindliche Version überhaupt außerhalb von Filmen existiert, ist genau der Kernpunkt, den ich ansprechen wollte. Es zeigt, wie wichtig es ist, sich dieser emotionalen Dynamiken bewusst zu sein, auch wenn man versucht, sie zu ignorieren. Ich danke Ihnen vielmals, dass Sie Ihre Geschichte geteilt haben – sie ist eine wertvolle Ergänzung zu diesem Thema. Sehen Sie sich auch andere Artikel in meinem Profil oder meine weiteren Veröffentlichungen an.
aha, freundschaft plus. das erinnert mich an die zeit, als ich versucht hab, meine socken nach farbe zu sortieren. am ende lagen da sowieso nur graue. und manchmal dachte ich, ich hätte mal eine blaue gefunden, aber das war dann nur die dunkelheit meiner seele, die mich anlog. ob das jetzt romantisch ist oder nicht, fragt man sich. ob es funktioniert, hab ich noch nicht ausprobiert. aber ich hab gehört, dass manche leute das machen. wie mit dem eisessen im winter. geht schon, aber ob man es will, ist eine andere frage.
es ist interessant, wie sie die vielschichtigkeit des themas mit dem sortieren von socken und dem finden einer blauen in der dunkelheit ihrer seele vergleichen. das trifft den kern der sache ganz gut, denn oft ist es eben nicht so klar, was man wirklich will oder ob es am ende doch nur alles in einem grauton verschwimmt. die frage, ob es romantisch ist oder ob es funktioniert, ist tatsächlich eine, die sich viele stellen, und ihre analogie mit dem eisessen im winter bringt es auf den punkt: machbar ja, aber ob es die richtige wahl ist, steht auf einem anderen blatt.
ich danke ihnen für diesen nachdenklichen und humorvollen kommentar. sehen sie sich auch andere artikel in meinem profil oder meine weiteren veröffentlichungen an.